Vorab: Noch vor 60 Jahren war
Behindertenarbeit kein Thema des öffentlichen Interesses und ebenso wenig
Gegenstand der staatlichen Fürsorge. Während der Zeit des Dritten Reiches hatte
man die Lösung des „Behindertenproblems“ in der Euthanasie gesehen, und in der
Nachkriegszeit richtete sich die öffentliche Aufmerksamkeit zunächst auf die
Beseitigung der unmittelbaren Kriegsfolgen. Behinderte Menschen – soweit sie nicht
kriegsversehrt waren – wurden nicht wahrgenommen.
Elf Jahre nach Kriegsende
elektrisierten jedoch zwei Nachrichten betroffene Eltern in der Bundesrepublik:
- Im Ausland hatte man erfolgversprechende
Behandlungsmethoden für spastisch gelähmte
Kinder entwickelt, und
-
Eltern hatten sich dort zusammengeschlossen, um die
Interessen ihrer Kinder durchzusetzen.
Diese Nachrichten öffneten
deutschen Eltern die Augen für drei wesentliche Erkenntnisse:
-
Menschen mit Behinderung haben Rechte, insbesondere
einen Anspruch auf Fürsorge u. ein ihnen gemäßes Umfeld, man muss in der Gesellschaft dafür kämpfen und
-
das gelingt am besten in einem Interessenverband.
Die Idee des Elternvereins war
geboren.
1956 gründeten Eltern in München den ersten
„Verein zur Förderung spastisch gelähmter Kinder e.V.“ Diesem Beispiel folgten
Eltern in der ganzen Bundesrepublik.
1962 Am 20.11.1962
wurde von dem Gründungsvorstand Herrn Dr. Ernst Kern, Frau Annemarie Müller und Herrn Karl Arenz
unser Elternverein, unter dem Namen „Verein zur Förderung und Betreuung
spastisch gelähmter Kinder und Jugendlicher e.V. Stadt und Landkreis Bonn“
ins Leben gerufen. Ihm gehörten 28 Mitglieder an.
Die Aufgaben, vor denen der junge
Verein stand, waren gewaltig. Es gab für behinderte Kinder in Bonn weder ein
therapeutisches Angebot, noch waren Kindergärten und Schulen für die Betreuung
und adäquaten Förderung behinderter Kinder ausgestattet. An das spätere Leben dieser Kinder, an die Arbeitswelt und
die Unterbringung erwachsener Behinderter hatte noch niemand gedacht.
1965 Erstes Projekt
des Vereins war die 1965 in Zusammenarbeit mit dem DRK errichtete Kindertagesstätte
in der Argelander Straße, die später nach Ippendorf umgezogen ist. Ursprünglich
für rein körperbehinderte Kinder konzipiert, hat sie sich in den Folgejahren zu
einer Einrichtung für körper- und mehrfach behinderte Kinder und schließlich zu
einer integrativen Einrichtung weiterentwickelt.
Aus Kindergartenkindern werden Schulkinder; der Verein
musste deshalb ebenfalls die Ermöglichung des Schulbesuchs behinderter Kinder
in Angriff nehmen. Noch Anfang der 60-er
Jahre des letzten Jahrhunderts fuhren die Kinder auf eigenen Kosten nach Köln
in die KB-Schule, was einen regelmäßigen Mütterdienst obligatorisch machte.
1967 erwarb der Verein
den ersten Bus und übernahm die Fahrten nach Köln auf eigene Kosten für
Realschüler und Gymnasiasten bis in die 80-er Jahre.
Bis heute betreibt der Verein einen
eigenen Kleinbus zum Transport Behinderter mit und ohne Rollstuhl.
1967 wurde auf Betreiben des Vereins die erste
provisorische Bonner Sonderschule einem Container auf dem Schulhof der
Karlsschule eingerichtet, der Vorläufer der Christophorusschule.
1969 übernahmen Frau Dr.
Annemarie Wagner-Fischer und Herr Prof. Dr. Helmut Rössler sowie die Herren
Helmut Koch und Joachim Nitsche den Vorstand. In diese Zeit fällt die
Einrichtung der mobilen Frühbetreuung, zunächst nur als Modellversuch,
später als ständige Einrichtung des DRK. Der Verein kaufte ein Pferd für das therapeutische
Reiten der Tagesstättenkinder. Später wurde der Verein Mitglied des Vereins
für therapeutisches Reiten, dem er 2 Pferde stiftete und in großem Umfang (bis
3.000 DM jährlich) Reitkosten übernahm. Seit Auflösung des Vereins für
therapeutisches Reiten unterstützt der Verein das Reiten in dem von der
Lebenshilfe betriebenen Reitstall in Swisttal-Miel.
1971 Im Jahr 1971
wählte der Verein Herrn Prof. Dr. Klaus-Ulrich Heyland in die Position des
Vorstandsvorsitzenden, die er fast drei Jahrzehnte lang innehaben sollte.
Begleitet haben ihn in dieser Zeit als Stellvertreter die Herren Paul Franke,
Volker Lederer und Hans-Dieter Nocke.
Prof. Heyland setzte mit seinem Team Meilensteine in der
Behindertenarbeit. Er brachte dabei insbesondere Außenstehenden den behinderten
Menschen menschlich näher:
„Dass Behinderte ganz normale Menschen sind, mit den gleichen
Bedürfnissen an körperlicher und geistiger Versorgung - sei es Nahrung,
Bildung, Liebe und Geborgenheit- wie alle anderen, das war weitgehend
unbekannt....Jeder begriff, dass schon eine Brille eine Behinderung darstellt,
und dass die größten und gefährlichsten Behinderungen im Leben Unwissen,
Unkenntnis und Unverständnis sind. Deshalb gibt es leider sehr viele derartig
Behinderte (die von der Statistik nicht erfasst werden). Tröstlich dabei ist,
dass die allermeisten Menschen unseres Kulturkreises bisher durchaus bereit
waren, nicht nur zuzuhören, sondern auch selbst aktiv zu helfen, wen man ihnen
nur zu verstehen geben konnte, wo und wie dies möglich ist War dies gelungen,
haben uns unzählige Menschen aus der Politik, der Verwaltung , aber auch ganz
einfach Menschen wie Du und ich geholfen“ (aus der Eröffnungsansprache von
Prof. Heyland zum 30. Jubiläum des Vereins und des Sommerfestes im TZ am
19.09.1992).
Auf diese Weise wurden große Projekte verwirklicht: In
Bonn-Tannenbusch entstand eine moderne Schule für behinderte Kinder und
Jugendliche, die Christophorusschule.
1976 Ursprünglich für 170
Schüler geplant, wurde sie 1976 eröffnet und war bereits sechs Jahre später zu
klein. Kein Wunder, denn die Schule trägt wegen der gleichzeitig
sichergestellten medizinischen und therapeutischen Versorgung und wegen ihrer
Konzeption als Ganztagsschule optimal den Bedürfnissen sowohl der Kinder als
auch denen der Eltern Rechnung. Heute hat
die Schule, die im Jahr 2000 um einen Neubau erweitert wurde (u.a. aufgrund des
Engagements der Schulpflegschaftsvorsitzenden, die regelmäßig auch Mitglieder
unseres Vereins waren), mehr als 220 Schüler.
1978 Gleichzeitig mit
der Schule wurde das Gustav-Heinemann-Haus eröffnet. Dort hatte der Verein
zusammen mit der Lebenshilfe ein Früherkennungszentrum geplant, das im
gleichen Jahr unter Leitung namhafter Mediziner mit einem breit gefächerten
medizinischen und therapeutischen Angebot eröffnete und bald überregional
bekannt war.
Das nächste Ziel des Vereins war die Unterstützung von
behinderten jungen Menschen bei der Unterbringung nach Abschluss der Schule und
Drang nach Eigenständigkeit außerhalb des Elternhauses. Bereits 1976 gab es
deshalb die erste Umfrage zur Bedarfsermittlung für das Therapiezentrum. Nach
langjährigen Verhandlungen mit dem Landschaftsverband Rheinland und anderen
Stellen gelang es dem Verein, die Planung für eine stationäre Einrichtung mit Modellcharakter in Gang zu bringen.
Zielvorstellung war die ortsnahe Schaffung eines Wohnheimes für Schwerst-Mehrfach-Körperbehinderte,
und zwar flächendeckend für den Bereich der Stadt Bonn und den
Rhein-Sieg-Kreis. Außerdem sollte eine begrenzte Zahl von Kurzzeitpflegeplätzen
zur Verfügung gestellt werden, um im Bedarfsfall Familien entlasten zu können.
Schließlich sollte eine Tagestherapie angeboten werden für diejenigen
Schwerbehinderten, die noch zu Hause wohnen können, deren Förderung und
Betreuung durch die Familie aber nicht mehr durchgehend und ausreichend möglich
ist.
1981 Durchführung
eines großen Symposiums zum Problem der Integration Körperbehinderter in
Normalschulen mit über 100 Lehrern und Therapeuten aus dem gesamten
Bundesgebiet.
1982 Gründung der „Gesellschaft für ein
Therapiezentrum (TZ) für Schwerst-Mehrfach-Körperbehinderte mbH“ mit unserem
Verein als einem der drei
Gesellschafter.
1989 Eröffnung des TZ mit 40
Wohnplätzen und 7 Kurzzeitpflegeplätzen. Inzwischen hat sich das
Therapiezentrum unter der engagierten Leitung von Frau Sabine Rickes
dahingehend vergrößert, dass eine Reihe von Bewohnern, die weniger
Betreuungsbedarf haben, in die relative Selbständigkeit einer Außenwohngruppe
entlassen werden konnten.
1997 Änderung des
Vereinsnamens als Ausdruck unserer
Solidarität mit der großen Körper- und Mehrfachbehinderten-Gemeinschaft.
1998 Unterstützung des TZ beim Erwerb eines
Gebäudes für eine Außenwohngruppe durch ein größeres zinsloses Zwischenfinanzierungsdarlehen und
Übernahme der Kosten für die Telefon- und Fernsehanlage.
1998 bis heute Übernahme der Restkosten der
jährlichen Handicap-Winterfahrten der Christophorusschule nach Österreich. Darüber hinaus Kauf von Skiern,
Bigfoots und einem Biski-Gerät.
1999 Wechsel im Vorstandsvorsitz: Herr Dr. Heyland gibt aus
Altersgründen die Vorstandsarbeit auf. Ihm folgt Herr Hans-Dieter Nocke.
1999 Erste
Informationsveranstaltung zum Erbrecht
"Wie schütze ich das Erbe des behinderten Kindes vor dem Zugriff des Sozialhilfeträgers". Eine weitere Veranstaltung in 2003.
In der Folge weitere Informationsveranstaltungen zum Betreuungsrecht sowie zur
Patientenvorsorge.
2000 bis
heute Finanzielle Unterstützung der Urlaubs-
und Freizeitgestaltung im TZ (ab 2005 "Urlaubswochenim TZ")
und Zuschuss zu den Honorarzahlungen an Begleiter beim therapeutischen Schwimmen.
2000 bis heute Übernahme der
jährlichen Kosten für das therapeutische
Schwimmen der Kindertagesstätte.
2001 bis
heute Beschaffung von Unterrichtshilfen
(PC´s mit Bedienhilfen, Internetanschluss, Notebook, Lehrküche) für die Christophorusschule sowie
Geräten für die Pausengestaltung
(behindertengerechte Schaukel, Fußballtor, Kletterwand,
Rollstuhlschaukel). Kauf eines mobilen
Bühnenbodens und eines Großleinwand-Projektors. Austattung der Schulbibliothek.
2004/2006Finanzielle Unterstützung der Kindertagesstätte bei der Weiterbildung von
Krankengymnasten und dem Kauf einer
Motorikrolle sowie bei der Beschaffung einer Video-Anlage und Geräten für den
Spielplatz. 2005/2007 Organisatorische
und finanzielle Unterstützung der Christophorusschule beim Schüleraustausch mit der Partnerschule in Djerba.
2006 im November verstarb kurz vor seinem 80. Geburtstag unser langjähriger Vorsizender Prof. Dr. Dr.h.c. Klaus-Ulrich Heyland:
über vierzig Jahre einer der Unsrigen und nie erlahmender,
ja leidenschaftlicher Mahner und Antreiber für die Anliegen unserer Solidargemeinschaft
mit behinderten Mitmenschen – und dies sehr erfolgreich und weit über die Grenzen
unseres Ortsvereins hinaus. Für
diese Verdienste wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet
und erhielt 2005 den mit 6.000 Euro dotierten Ehrenpreis der
Tentenstiftung.
2006/2007 Zuschuss zu den Kosten des TZ-Projektes Ambulantes Betreutes Wohnen
2007 Schenkung eines Rollstuhltransport-Kleinbussesan die tunesische Partnerschule
2008 unser Vorstandsmitglied Frau Andrea Mörsdorf erhält für ihrr außergewöhnliches Engagement für die Belange behinderter Menschen das Bundesverdienstkreuz am Bande
2009 Finanzielle Unterstützung der Christophorusschule beim Umbau des Entspannungsraumes für Schüler (Snoezelen) und beim Theaterprojekt Die Niebelungen.
Praktikum Richtiges Heben und Tragen als Gesundheitsvorsorge für pflegende Angehörige.
Unser verstorbenes Mitglied und langjähriger Schatzmeister Herr Hans-Jürgen Heins hinterlässt dem Verein als Alleinerben eine größere Barsumme und Sachwerte.
2010 + 2011 Reha-Flohmarkt
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EineÜbersicht aller Vorstandsmitgliedervon den Gründungstagen bis heute können Sier hier herunterladen. Vorstandschronik